Nov 15
Aktualisiert am: 25. November 2009

von Michael Nicolai am 08.01.2008

als Facharbeitsersatz im Deutschunterricht 2007 / 2008 der Bismarckschule

für Herrn *****

ein Autorenporträt von Immanuel Kant unter der Leitfrage:

„Welche Umwelteinflüsse boten Kant die Möglichkeit und brachten ihn schließlich dazu die Frage  nach „Was ist Aufklärung“ zu beantworten?“

Inhaltsverzeichnis:

1) Einleitung
1.1) Einleitung des Autorenporträt
1.2) Erläuterung der leitenden Fragestellung
2) Hauptteil
2.1) Aussage und Besonderheiten
seines Werkes „Was ist Aufklärung“
2.2) die Epoche Kants (Zeitalter der Aufklärung)
2.3) Leben Kants
2.4) Beantwortung der Leitfrage

Quellennachweis:

Wikipedia-Quellen:

weitere Quellen:

  • Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung von Immanuel Kant

1) Einleitung:

1.1) Einleitung des Autorenporträt:

Immanuel Kant schrieb in seinem mittig der Epoche der Aufklärung gelegenem Leben viele Werke, die mehr oder weniger bedeutsam waren, mehr oder weniger Anklang in seiner unmittelbaren Lebensumgebung und weiten öffentlichen Kreisen fanden.

In einem seiner Werke, die er mit größtem Geschick verfasste, beantwortet er die Frage  „Was ist Aufklärung“.

Obwohl dieses anspruchsvolle Werk von den meisten Leuten heutzutage nicht gelesen wird und von denjenigen, die es lesen, kaum beim ersten Lesen verstanden wird, behandelten wir den ersten Teil dieses Aufsatzes in der Schule, als wir uns im Deutschunterricht mit der Epoche der Aufklärung – im Zusammenhang mit Lessings „Emilia Galotti“ – beschäftigten.

Schon damals war ich fasziniert von der Kunst, die Kant an den Tag legte, wenn es darum ging Sätze zu formen und zu gestalten.

Doch nun möchte ich mich nicht mit seinen künstlerischen Fähigkeiten widmen, sondern einer Frage, die wir im Deutschunterricht noch nicht geklärt haben. Die Frage danach, warum gerade Immanuel Kant als einer der Denker der Epoche der Aufklärung heraussticht.

1.2) Erläuterung der leitenden Fragestellung:

Soweit dies untersucht worden ist, gibt es für viele „große“ und bekannte Persönlichkeiten der Geschichte psychologische Analysen, die die Erklärungen für das Handeln der Personen liefern, wodurch nachvollziehbar ist, warum eine Person als das in die Geschichte einging, als die wir sie heute kennen. Meist lassen sich auch historische Fakten heranziehen, wodurch die geschichtliche Entwicklung als logisch beschrieben werden kann.

Führt man diese psychologischen Eigenarten verschiedenen Personen mit der geschichtlichen Gesamtentwicklung zusammen, so erschließt sich einem bei genauer Betrachtung durchaus Verständnis für die Geschehnisse der Vergangenheit.

Doch warum ist es nun Immanuel Kant geworden, der drei Kritiken, eine über „die reine Vernunft“, „der praktischen Vernunft“ und „der Urteilskraft“ geschrieben hat und nicht einer seiner acht Geschwister, die zweifelsfrei ähnliche Grundlagen hatten, wie Kant selbst.

Nicht nur, weil dies der erste Text Kants ist, den ich gelesen habe, auch, weil ich diesen Text subjektiv bevorzuge, ergibt sich für mich folgende Fragestellung:

„Welche Umwelteinflüsse boten Kant die Möglichkeit und brachten ihn schließlich dazu die Frage  nach „Was ist Aufklärung“ zu beantworten?“

Bevor ich mit dem Hauptteil beginne, möchte ich diese Fragestellung noch etwas differenzieren:
Umwelteinflüsse sind alle Einflüsse, die direkt oder indirekt auf Immanuel Kant zu Lebzeiten eingewirkt haben, in besonderer Weise Erziehung und Interaktionen mit Familie und Freunden.

„Die Möglichkeit“ ist auf Kants Grundlagen bezogen. Etwa, ob er aus einem gesellschaftlich höheren Elternhaus stammt, welches sich mit dem Thema Aufklärung befasst hat.

Der letzte Teil der Frage fragt nach der oder den Ursachen, die Immanuel Kant zum Schreiben über die Aufklärung gebracht hat.

2) Hauptteil:

2.1) Aussage und Besonderheiten seines Werkes „Was ist Aufklärung“:

Besonders hervorzuheben ist der ungewöhnliche, aber durchaus sinnvolle, direkte Einstieg (sinnvoll daher, weil er im Folgenden die Unmündigkeit, dessen Bestandteil „das Labern – nichts zum Ausdruck bringen“ ist, kritisiert):

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.“

Damit verzichtet Kant auf eine lange Einleitung und auf die Heranführung an das Thema.  Unmittelbar danach definiert er:

„Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“ Danach folgt: „Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“

In diesen drei Sätzen ist jedes Wort wichtig.

Immanuel Kant definiert Aufklärung als den Vorgang, den eine Person durchlebt, wenn sie aus dem Dasein sich nicht aktiv des eigenen Verstandes bedienen zu können, durchläuft, um Mündig zu werden.
Diese Unmündigkeit kann man differenzieren. Ist eine Person geistig nicht in der Lage, „zu dumm“, um selbst zu denken, so ist sie zwar unmündig, diese Unmündigkeit ist aber nicht selbstverschuldet, wie es der Fall bei der anderen Gruppe von Personen ist, die nicht Mündig aufgrund von fehlendem Entschluss und Angst ist.
Daher fordert er im Weiteren auf: „Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“ und deklariert diesen Spruch zum „Wahlspruch der Aufklärung“.
Im Rest des ersten Absatzes  geht er auf die Gründe ein, warum die Vielzahl der Menschen unmündig ist. Dazu zählen vor allem Faulheit und Feigheit – also das von heute bekannte „Ich hab kein Bock“ und die auch heute noch anzutreffende Angst vor Neuem und Misserfolg nach Taten die  dahin ungewohnt waren.

So führt er an, dass man anstatt zu denken auch bezahlen könnte. Etwa den „Arzt, der für mich die Diät beurteilt“ und „einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat“.

Ferner interessant ist, dass er „die Vormünder“ beschuldigt dafür zu sorgen, dass Unmündige weiter unmündig bleiben und sogar Angst davor haben mündig zu werden. Für die Darstellung dieses Sachverhaltes zieht er einen Vergleich heran:

„Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, daß diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperrten, wagen durften, so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen droht, wenn sie es versuchen allein zu gehen.“

Der restliche Text bedarf keiner so detaillierten Erläuterung:

Im Weiteren stellt er noch einmal fest, dass Unmündigkeit den meisten Menschen zur Natur geworden ist. Nur Wenigen sei es gelungen durch eigene Bearbeitung ihres Geistes sich aus der Unmündigkeit herauszuarbeiten. Dies sei allerdings den meisten Menschen möglich, solange man ihnen die Freiheit dazu lässt.

Zwar ist es einem einzelnen Menschen schwer sich selbst zu befreien, der Gesellschaft im Ganzen allerdings nicht.

Kant erläutert weiterhin, wann „Freidenken“ erlaubt ist und wann nicht. So dürfe ein Soldat sich einem Befehl nicht widersetzten, ihn im Nachhinein aber durchaus kritisieren und einem Publikum zur Bewertung vorlegen.

2.2) die Epoche Kants (Zeitalter der Aufklärung):

Das so genannte Zeitalter der Aufklärung erstreckt sich über zwei Jahrhunderte (17. bis 18.), die Kant selbstverständlich nicht durchlebt hat. Dennoch halte ich es für richtig diesen Zeitabschnitt „Epoche Kants“ zu nennen, da er zweifelsohne einer der wichtigsten Denker jener Zeit war, wie etwa auch Ephraim Lessing.

Die zentralen Entwicklungen in dieser Epoche sind mit den Ausführen Kants über „Aufklärung“ in Verbindung zu bringen. Den Menschen wurde zunehmend bewusst, dass sie selber denken sollten, und alte, starre und nicht mehr aktuelle Vorstellungen (auch Vorurteile) abstreifen müssten.
Dies bezog sich nicht nur auf private Angelegenheiten, sondern durchaus auch auf Politische (beispielsweise war die französische Revolution ein solcher Ausbruch politischer Neugesinnung).

2.3) Leben Kants:

Immanuel Kant wurde am 22. April 1724 in Königsberg geboren.
Er war der Sohn eines Riemermeisters (ähnlich dem heutigen Schuster) und einer der Bildung aufgeschlossenen Mutter. Seine Eltern haben neben ihm noch 8 weitere Kinder gezeugt, von denen allerdings nur 5 das Erwachsenenaltern erreichten, was durchaus normal für diese Zeit.

Bereits mit 8 Jahren erhielt er durch seine Mutter eine Förderung über das Friedrichskollegium und studierte mit 16 Jahren an der Uni von seinem Heimatort. Zu dem Zeitpunkt interessierte er sich stark für Theologie, Philosoph und Naturwissenschaften (dieses Interesse dürfte auch der Grund dafür sein, warum nicht eines seiner Geschwister seine Rolle in Anspruch nahm).

Als sein Vater 1746 starb unterbrach er sein Studium und arbeitete als Hauslehrer. So ergaben sich ihm viele Gelegenheiten in die höheren Schichten der Gesellschaft Königsbergs zu blicken und an Diskussionen in dieser mitzuwirken; seinen Kumpanen schätzen ihn dabei sehr!

1754 nahm Immanuel Kant sein Studium wieder auf und veröffentlichte „Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels“ bevor er seine Habilitation „Die ersten Grundsätze der metaphysischen Erkenntnis“ vorlegte. Darauffolgend arbeitete er als Dozent für Logik und Naturrecht.

Als er allerdings versuchte dies als Professor zu unterrichten, erhielt er eine Absage (1759), woraufhin er sich als Unibibliothekar versuchte.

Im Jahre 1770 wurde sein damaliges Gesuch aufgegriffen und er erhielt die Einladung als Professor für Logik und Metaphysik zu lehren. Dies lehnte er allerdings ab, schrieb in der Folgezeit allerdings einen seiner wichtigsten Aufsätze: „Was ist Aufklärung“ (1784) und arbeite von 1786 bis 1788 als Rektor seiner Heimatuni.

Ab 1787 war er ebenfalls an der Akademie der Wissenschaften Teilnehmer, musste sich aber auch stark kritisieren lassen. So kam es beispielsweise dazu, dass sein Herausgeber und guter Freund Johann Biester eine Beschwerde beim König einlegte, weil Kant im Vorfeld in starken Konflikt zu der Zensurbehörde stand.

2.4) Beantwortung der Leitfrage:

Als nicht aus armem Elternhaus stammend, war Bildung für Immanuel nicht verschlossen. Aufgrund seiner Interessen, bekräftigt durch seine Mutter und möglicherweise durch den frühen Tod seines Vaters, widmete sich Immanuel Kant jenem Bereich der Wissenschaften, der nur sehr vage ist:

Zwischen Naturwissenschaft und Naturgesetzten auf der einen Seite und Philosophie und Theologie auf der Anderen.

Als er als Hauslehrer arbeitete, muss er auf die Missstände der damaligen Gesellschaft aufmerksam geworden sein. Da er dies mit vielen Leuten der höheren Schicht diskutieren konnte und auch als Lehrkörper eng mit Bildung und Wissen verbunden war, bot sich ihm die Möglichkeit über viele theoretische Fragen Urteile zu bilden. Dazu zählen unter anderem in besonders Maße seine drei Kritiken (Kritik der reinen Vernunft, Kritik der praktischen Vernunft und Kritik der Urteilskraft).

Den durch all diese Überlegungen aufgebaute geistige Druck in seinem Inneren, entlud sich schließlich in „Was ist Aufklärung“, in welchem er sehr aggressiv auf die Missstände der Zeit hinweist.

Durch seine Aufzeichnungen überliefert, bleiben uns nun viele Zitate und Gedanken, die wir nicht vergessen sollten, aber auch nicht als Vollendung, sondern vielmehr als Ansporn auffassen sollten;

denn „sapere aude!“


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